Wiens Bürgermeister Michael Ludwig hat den geplanten „Kultur-Euro“ am 16. September 2026 in einem Video auf sozialen Netzwerken abgesagt. Die von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler vorangetriebene neue Abgabe auf Kulturtickets hatte zuvor tagelang für Aufregung gesorgt, unter anderem sprach Konzerthaus-Intendant Matthias Naske von „existenzbedrohenden“ Auswirkungen für die Branche.
Über die konkrete Ausgestaltung des zurückgezogenen Plans berichtete zuvor der Kurier unter Berufung auf eine vertrauliche Quelle: Demnach sollte der Aufschlag 12,5 Prozent auf jede Eintrittskarte betragen und bis zu rund 120 Millionen Euro einbringen, Bundesmuseen und -theater wären mit rund 50 Millionen Euro belastet worden. Amtlich bestätigt sind diese Zahlen nicht.
ÖVP, FPÖ und Grüne begrüßten den Rückzieher der Stadtregierung, übten aber unterschiedlich scharfe Kritik am Vorgehen. Eine eigene Reaktion von Kulturstadträtin Kaup-Hasler liegt bislang nicht vor, ebenso offen bleibt, wie die Stadt die Kulturfinanzierung künftig anders absichern will.
Was passiert ist
Der geplante „Kultur-Euro“ kommt nicht. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat den von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) vorangetriebenen Plänen am 16. September 2026 in einem Video auf sozialen Netzwerken eine Absage erteilt. „Nach Abwägung aller Argumente habe ich entschieden: Der ‚Kultur-Euro‘ kommt nicht“, wird Ludwig von ORF Wien zitiert. Zuvor hatte er festgehalten, dass Wien in der Vergangenheit bereits zwei kulturbezogene Abgaben abgeschafft habe und der „Kultur-Euro“ nur eine von mehreren diskutierten Ideen zur langfristigen Kulturfinanzierung gewesen sei. Eine zweite, unabhängige Medienquelle bestätigt den Rückzieher.
Die Vorgeschichte: ein umstrittener Plan
Der „Kultur-Euro“ sollte als zusätzliche Abgabe auf Kulturtickets vor allem Nischenprogramme in der Wiener Kulturlandschaft absichern. Details zum Vorhaben waren bis zuletzt offiziell nicht bekanntgegeben worden, sorgten aber bereits für erhebliche Unruhe in der Branche. Konzerthaus-Intendant Matthias Naske bezeichnete die Pläne öffentlich als „existenzbedrohend“, auch von politischer Seite gab es frühzeitig Widerstand. Am Dienstag vor der Absage trafen einander Vertreter der Stadt Wien und des von Vizekanzler Andreas Babler geführten Kulturministeriums, da eine neue Abgabe auch zahlreiche Bundesinstitutionen in Wien betroffen hätte. Aus dem Ministerium hieß es gegenüber der APA lediglich, die Finanzierungsfrage bleibe wichtig und man stehe für weitere Gespräche offen – eine inhaltliche Festlegung blieb aus.
Zahlen mit Vorbehalt
Über die konkrete Ausgestaltung des zurückgezogenen Entwurfs berichtete zuvor der Kurier unter Berufung auf eine als vertraulich beschriebene Quelle: Demnach hätte der Aufschlag bei 12,5 Prozent auf jede Eintrittskarte liegen sollen – angelehnt an den bereits bestehenden „Sportförderungsbeitrag“. Ein Sprecher des Kulturministeriums widersprach dieser Zahl laut Kurier nicht ausdrücklich, was die Zeitung als indirekte Bestätigung wertete. Nach Berechnungen der heimischen Veranstaltungswirtschaft hätte die Abgabe insgesamt bis zu rund 120 Millionen Euro einbringen können, allein die Bundesmuseen und -theater wären mit rund 50 Millionen Euro belastet worden. Diese Zahlen stammen aus einer einzelnen journalistischen Recherche mit nicht offengelegter Quelle und sind amtlich nicht bestätigt; sie sollten daher mit Vorsicht gelesen werden.
Reaktionen aus der Politik
Nach der Absage meldeten sich mehrere Parteien zu Wort. ÖVP-Landesparteiobmann Markus Figl sprach von einem erfolgreichen „breiten Widerstand gegen die geplante Kultursteuer“ und forderte angesichts der Wiener Finanzlage ein „grundsätzliches Umdenken“ statt neuer Abgaben; die Wiener ÖVP hatte zuvor einen Offenen Brief an Ludwig gerichtet und Unterschriften gesammelt. FPÖ-Landesparteiobmann Dominik Nepp kritisierte ein aus seiner Sicht „chaotisches Vorgehen“ der Stadtregierung, die erst neue Belastungen ankündige und dann zurückrudere. Die Grünen bewerteten die Absage als „späte Einsicht“ – Kultursprecherin Ursula Berner verwies darauf, dass der öffentliche Widerspruch aus der Kulturszene gewirkt habe.
Was unklar bleibt
Offen ist bislang, wie Kulturstadträtin Kaup-Hasler selbst auf das Aus für ihr Projekt reagiert – eine eigene Stellungnahme von ihr liegt in den vorliegenden Quellen nicht vor. Ebenso wenig lässt sich derzeit unabhängig bestätigen, ob die von Kurier berichteten Eckdaten – 12,5 Prozent Aufschlag, ein möglicher Start im Jahr 2027, die genannten Einnahmenschätzungen – tatsächlich dem finalen Entwurf entsprachen, da weder Stadt noch Ministerium den Gesetzestext offiziell veröffentlicht haben. Unklar ist zudem, mit welchem alternativen Modell die Stadt Wien die von allen Seiten als angespannt beschriebene Kulturfinanzierung künftig absichern will, und ob das für 2027 geplante, gegenüber 2026 um rund 13 Prozent gekürzte Kulturbudget von der Absage unberührt bleibt.


