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Laut einem Interview mit Wiener-Netze-Chef Gerhard Fida, über das Die Presse und ORF berichten, sind hohe Temperaturen selten die alleinige Ursache für Stromausfälle. Entscheidend seien meist bereits vorhandene Vorschäden an Kabeln, die durch Hitze und ausgetrockneten, schlechter wärmeableitenden Boden zusätzlich belastet werden. Genannt werden zudem Kennzahlen zur Ausfallsicherheit in Wien – rund 14 Minuten Ausfallzeit im Jahresschnitt, einzelne Ausfälle meist 60 bis 90 Minuten.

Berichten zufolge kritisiert der Rechnungshof außerdem, dass der Netzausbau dem Tempo des Ausbaus erneuerbarer Energien nicht folgen könne. Genannt werden ein Investitionsbedarf von 13 bis 24 Milliarden Euro für die österreichischen Verteilernetze bis 2030 sowie rund 315 Millionen Euro jährlich, die die Wiener Netze von 2025 bis 2029 investieren wollen.

Diese Zahlen stammen aus einer einzelnen Medienquelle und wurden nicht anhand von Primärquellen wie dem Rechnungshof-Bericht selbst überprüft. Auch eine auffällige Diskrepanz zwischen den Schlagzeilen von Die Presse und ORF zum Verhältnis von Hitze und Stromausfällen bleibt ungeklärt.

Was passiert ist

Angesichts anhaltend hoher Temperaturen in Österreich hat sich Die Presse laut vorliegenden Quellen in einem Interview mit Gerhard Fida, dem Vorstandsvorsitzenden der Wiener Netze, dem Zusammenhang zwischen Hitze und Stromausfällen gewidmet. Der Grundtenor: Hitze allein sei selten der auslösende Faktor für Ausfälle im Stromnetz. Auch ORF Wien und ORF Österreich griffen das Thema unter einer ähnlichen, aber nicht identischen Überschrift auf. Da beide ORF-Regionalseiten auf denselben Artikel verlinken, handelt es sich inhaltlich um eine gemeinsame Quelle und nicht um zwei unabhängige Berichte.

Was die Quellen zeigen

Laut dem Bericht der Presse liegt die eigentliche Schwachstelle meist nicht in der Hitze selbst, sondern in bereits vorhandenen Vorschäden an Stromkabeln, die durch hohe Temperaturen zusätzlich beansprucht werden. Ausgetrockneter Boden soll demnach Wärme schlechter ableiten und Kabel so stärker belasten. Genannt werden zudem Kennzahlen zur Ausfallsicherheit in Wien – ein Schnitt von rund 14 Minuten Ausfallzeit pro Jahr sowie eine typische Ausfalldauer von 60 bis 90 Minuten pro Vorfall. Diese Werte stammen jedoch aus einer einzigen, nicht unabhängig geprüften Quelle. Ergänzend wird über Kritik des Rechnungshofs berichtet, wonach der Netzausbau dem Tempo des Ausbaus erneuerbarer Energien nicht folgen könne, samt Investitionsschätzungen für die österreichischen Verteilernetze bis 2030 sowie für das Wiener Netz konkret bis 2029.

Was unklar bleibt

Der zugrunde liegende Rechnungshof-Bericht wurde nicht direkt eingesehen, weder Titel noch genaues Publikationsdatum sind aus den vorliegenden Quellen ersichtlich. Auch die Herkunft der genannten Investitionssummen – 13 bis 24 Milliarden Euro für die österreichischen Verteilernetze insgesamt sowie rund 315 Millionen Euro jährlich allein bei den Wiener Netzen – lässt sich anhand der Kurzangaben nicht auf eine konkrete Studie zurückführen. Zudem fällt auf, dass die Presse-Schlagzeile die Aussage enthält, Stromausfälle hätten „nicht immer“ mit Hitze zu tun, während die ORF-Überschrift „Stromausfälle haben mit Hitze zu tun“ lautet – ein Unterschied, der aus den vorliegenden Kurzinformationen nicht auflösbar ist. Ob es sich um unterschiedliche Akzentuierungen derselben Fakten oder um inhaltlich abweichende Einschätzungen handelt, bleibt offen. Auch fehlt ein Vergleich mit der Sichtweise anderer Netzbetreiber außerhalb Wiens, etwa in der Steiermark, die im Rahmen der Recherche als möglicher Vergleichspunkt genannt wurde.

Einordnung

Die Debatte fügt sich in eine größere, in Österreich wiederkehrende Diskussion ein: Mit dem Ausbau von Photovoltaik- und Windkraftanlagen steigen die Anforderungen an die Verteilernetze, während die Investitionszyklen für Kabel- und Leitungserneuerung oft länger dauern als politische und energiewirtschaftliche Zielvorgaben. Dass ein Netzbetreiber selbst betont, Vorschäden und nicht die Hitze seien die Hauptursache für Ausfälle, kann sowohl eine sachliche Einordnung als auch eine Form der Verantwortungsabwägung gegenüber Kritik am eigenen Investitionstempo sein. Ohne Einsicht in den Rechnungshof-Bericht und ohne Stellungnahmen weiterer Netzbetreiber lässt sich diese Frage aus den vorliegenden Quellen nicht abschließend beurteilen.