WIFO-Chef Gabriel Felbermayr hat in der ORF-„Pressestunde“ am 13. September 2026 seine Inflationsprognose für Österreich nach oben korrigiert: Statt der im Juni erwarteten 3,2 Prozent gehe die Tendenz weiter nach oben, die Jahresinflation 2026 werde über drei Prozent liegen. Grund sei eine neue Welle steigender Energiepreise im Zuge der Spannungen am Persischen Golf – der Ölpreis der Sorte Brent habe kurzzeitig wieder über 110 Dollar je Fass gelegen, auch die Gaspreise seien deutlich gestiegen. Weil Strompreise weiterhin an den Gaspreis gekoppelt seien, fordert Felbermayr erneut, das Merit-Order-Prinzip zu ändern und Preisspitzen beim Gas vom Strompreis zu entkoppeln.
Der WIFO-Chef bekräftigte zudem seine Ablehnung von Margeneingriffen bei Mineralölkonzernen, die seiner – nicht unabhängig geprüften – Einschätzung nach „grosso modo nicht funktioniert“ hätten, und äußerte sich skeptisch zu einer budgetär kaum finanzierbaren CO2-Abgaben-Senkung. Die heimischen Gasspeicher seien laut seiner Aussage zu 67 Prozent gefüllt, besser als im europäischen Schnitt. Zusätzlich zur Inflation solle auch die BIP-Wachstumsprognose für 2026, zuletzt bei 0,9 Prozent, gesenkt werden, ähnlich wie zuvor bei der Oesterreichischen Nationalbank.
Damit liefert Felbermayr eine erste konkrete Zahl zu der im bisherigen Bericht bereits angekündigten Trendwende bei Energiepreisen: Dort hatte WIFO-Ökonom Baumgartner für den Herbst bereits steigende Gas- und Strompreise sowie teurere Lebensmittel erwartet. Offen bleibt, ob die offizielle WIFO-Herbstprognose die genannte Inflationszahl über drei Prozent sowie die gesenkte Wachstumsprognose bestätigt.
Neue Prognose: Inflation soll über drei Prozent steigen
WIFO-Chef Gabriel Felbermayr hat am Sonntag in der ORF-„Pressestunde“ die Inflationsaussichten für Österreich nach oben korrigiert. Nach der Juni-Prognose des Wirtschaftsforschungsinstituts, die für das Gesamtjahr 2026 noch von 3,2 Prozent Teuerung ausgegangen war, gehe die Tendenz weiter nach oben – die Jahresinflation werde über drei Prozent liegen, so Felbermayr laut übereinstimmenden Medienberichten. Verantwortlich sei eine neue Welle gestiegener Energiepreise, die Österreich erfasse.
Höhere Energiekosten wirken laut Felbermayr nicht nur auf die Inflation direkt, sondern auch auf kommende Kollektivvertragsverhandlungen und die reale Kaufkraft der Haushalte.
Auslöser: Brent-Ölpreis über 110 Dollar, Gaspreise deutlich gestiegen
Als konkreten Auslöser nennt der WIFO-Chef die Spannungen am Persischen Golf im Zuge des Iran-Konflikts. Der Ölpreis der Sorte Brent sei kurzzeitig wieder über 110 Dollar je Fass gelegen, auch der Gaspreis habe deutlich angezogen. Ein Grund für die Inflationswirkung sei, dass die Strompreise weiterhin an den Gaspreis gekoppelt seien.
Felbermayr erneuerte deshalb seine Forderung, das sogenannte Merit-Order-Prinzip zu ändern, nach dem sich der Strompreis am jeweils teuersten benötigten Kraftwerk – meist Gaskraftwerken – orientiert. „Ausflüge des Gaspreises nach oben müssen vom Strompreis abgekoppelt werden“, sagte er laut ORF. Nachträgliche Gewinnabschöpfungen, wie sie bereits praktiziert wurden, hält er dagegen für „weder elegant noch wirtschaftspolitisch smart“.
Kritik an Margeneingriff, Zurückhaltung bei CO2-Abgabe
Erneut sprach sich Felbermayr gegen direkte Margeneingriffe bei Mineralölkonzernen aus. Er argumentiert unter anderem mit der Versorgungssicherheit, weil internationale Anbieter ihre Ware bei Preiseingriffen einfach in andere Länder verkaufen könnten. Der bisherige Margeneingriff habe „grosso modo nicht funktioniert“, so seine – nicht unabhängig überprüfte – Einschätzung.
Stärkere, aber budgetschonende Eingriffe wären laut Felbermayr willkommen, etwa eine Senkung oder Aussetzung der CO2-Abgabe, wie sie die FPÖ fordert. Angesichts der budgetären Lage sei das aber kaum finanzierbar; höhere Schulden hätten Folgeschäden für Finanzminister, Häuslbauer und Unternehmen gleichermaßen. Die heimischen Gasspeicher seien laut Felbermayr zu 67 Prozent gefüllt und schnitten damit besser ab als im europäischen Durchschnitt – eine unabhängige Bestätigung dieses Werts liegt nicht vor.
Wachstumsprognose soll ebenfalls sinken
Neben der Inflation korrigiert das WIFO laut Felbermayr auch die Wachstumseinschätzung: Die zuletzt mit 0,9 Prozent bezifferte BIP-Prognose für 2026 werde gesenkt, ähnlich wie zuvor bereits die Oesterreichische Nationalbank ihre Prognose angepasst habe. Eine konkrete neue Wachstumszahl nannte er in dem Interview nicht.
Vorgeschichte
Im bisherigen Bericht zur Inflationsentwicklung war festgehalten worden, dass die Teuerung im Juli 2026 auf 2,7 Prozent gefallen war, unter anderem wegen der gesenkten Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel; WIFO-Ökonom Josef Baumgartner hatte damals bereits vor einem Wiederanstieg bei Energie- und Lebensmittelpreisen ab dem Herbst gewarnt. Die aktuellen Aussagen Felbermayrs liefern dazu eine erste konkrete Zahl und einen neuen, bisher nicht genannten Auslöser: die golfbedingte Öl- und Gaspreisspitze.


