Die Präsidentin der Wirtschaftskammer Österreich, Martha Schultz, hat sich für eine Verkürzung der Sommerferien ausgesprochen. Statt der derzeit neun Wochen sollten aus ihrer Sicht sechs Wochen reichen, sagte sie am 11. September 2026 in der ORF-„ZIB1“ sowie in einem für die Ö1-Reihe „Im Journal zu Gast“ aufgezeichneten Interview. Als Hauptargument nennt sie die Situation von Müttern, die weiterhin den Großteil der Betreuungsarbeit übernehmen, und berichtet von „Klagen über die langen Sommerferien“ aus ihrer Branche und anderen Bereichen.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) hat den Vorschlag noch am 12. September in einer schriftlichen Stellungnahme zurückgewiesen: Kinder und Jugendliche bräuchten ausreichend Zeit im Sommer, um für das neue Schuljahr Kraft zu tanken, eine generelle Verkürzung sehe er daher nicht. Als Alternative verweist er auf die bestehende, für Schülerinnen und Schüler mit Deutschförderbedarf verpflichtende Sommerschule sowie auf einen geplanten österreichweiten Ausbau von Sommercamps nach Wiener Vorbild, um Familien zu entlasten.
Ob es sich bei Schultz’ Vorstoß um eine offizielle WKÖ-Position oder eine persönliche Meinung handelt, ist weiterhin unklar. Ein Medienbericht deutet zudem an, dass auch die Lehrergewerkschaft eine Verkürzung ablehnt, dies liegt uns aber bislang nur als Kurzfassung, nicht im Volltext, vor. Reaktionen von Lehrerverband, Schulleitungen, Elternverbänden sowie eine Erwiderung von Schultz auf Wiederkehrs Absage stehen weiterhin aus.
Was passiert ist
Die Präsidentin der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) und Chefin des ÖVP-Wirtschaftsbundes, Martha Schultz, hat sich für kürzere Sommerferien ausgesprochen. Statt der derzeit neun Wochen sollten aus ihrer Sicht sechs Wochen ausreichen, sagte sie am 11. September 2026 in der ORF-„ZIB1“. Dieselbe Aussage machte sie auch in einem Interview für die Ö1-Radioreihe „Im Journal zu Gast“, das für den 12. September angekündigt war und dessen Inhalt Der Standard am selben Tag wiedergab.
Noch am 12. September reagierte Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) mit einer schriftlichen Stellungnahme und erteilte dem Vorschlag eine klare Absage.
Die Begründung von Schultz
Als Hauptargument nennt Schultz die Situation von Müttern, die nach wie vor den Großteil der Betreuungsarbeit („Care-Arbeit“) leisten. Eine Verkürzung der Ferien wäre ihrer Einschätzung nach vor allem „eine Verbesserung für die Frauen“ und für jene, die Kinder haben und Betreuungspflichten übernehmen müssen. Sie berichtet zudem, sowohl aus der eigenen Wirtschaftsbranche als auch aus anderen Bereichen „Klagen über die langen Sommerferien“ zu hören, und schlägt vor, „einmal darüber zu diskutieren“.
Reaktion des Bildungsministers
Bildungsminister Christoph Wiederkehr wies die Forderung von Schultz in einer schriftlichen Stellungnahme zurück. „Kinder und Jugendliche brauchen ausreichend Zeit im Sommer, um Kraft und Energie für das neue Schuljahr zu tanken“, argumentierte er laut Die Presse. „Eine generelle Verkürzung der Sommerferien sehe ich daher nicht.“
Als Alternative verweist Wiederkehr auf die bestehende Sommerschule, die für Schülerinnen und Schüler mit Deutschförderbedarf verpflichtend ist und nach seiner Darstellung schon jetzt einen Beitrag zur Entlastung von Erziehungsberechtigten leiste – „und das sind nicht nur Frauen“, betonte er. Zusätzlich fordert er einen österreichweiten Ausbau von Sommercamps, wie sie etwa in Wien bereits angeboten werden, damit Familien entlastet werden, während Kinder und Jugendliche sich gleichzeitig erholen können.
Wie die Meldung dokumentiert ist
ORF.at berichtete am Abend des 11. September direkt über Schultz’ Aussage aus der eigenen „ZIB1“-Sendung. Weitere Medien wie Die Presse, Kurier, Kleine Zeitung und Der Standard übernahmen die Meldung mit weitgehend übereinstimmendem Inhalt, teils erkennbar auf Basis einer gemeinsamen Agenturmeldung. Eine APA-OTS-Aussendung bestätigte zusätzlich, dass Schultz für die Ö1-Sendereihe „Im Journal zu Gast“ am 12. September als Gästin angekündigt war.
Wiederkehrs Gegenposition wird insbesondere von Die Presse mit direktem Zitat aus seiner schriftlichen Stellungnahme dokumentiert; Der Standard berichtet inhaltlich übereinstimmend über die Ablehnung. Ein Bericht der Salzburger Nachrichten deutet zudem an, dass auch die Lehrergewerkschaft gegen eine Verkürzung ist – dieser Artikel wurde von uns aber nur in Überschrift und Kurzfassung, nicht im Volltext, eingesehen.
Was unklar bleibt
Aus den vorliegenden Quellen geht weiterhin nicht hervor, ob Schultz’ Vorstoß eine offizielle Position der Wirtschaftskammer als Institution darstellt oder eine persönliche Meinungsäußerung ist. Offizielle Stellungnahmen von Lehrerverband, Schulleitungen oder Elternverbänden liegen bislang nicht vor; ein Medienhinweis auf eine ablehnende Haltung der Lehrergewerkschaft konnte von uns nicht im Volltext nachvollzogen werden. Auch eine Reaktion von Schultz beziehungsweise der WKÖ auf Wiederkehrs Absage ist bisher nicht dokumentiert. Ebenso offen ist, wie konkret die von Wiederkehr angekündigten Pläne für einen bundesweiten Ausbau der Sommercamps sind.
Einordnung
Die Debatte um die Länge der Sommerferien in Österreich flammt immer wieder auf, meist mit Verweis auf die ungleiche Verteilung von Betreuungsarbeit zwischen den Geschlechtern oder auf Betreuungslücken für berufstätige Eltern. Dass der Vorstoß diesmal von der WKO-Präsidentin kommt, die zugleich Spitzenfunktionärin des ÖVP-Wirtschaftsbundes ist, verleiht der Aussage zusätzliches politisches Gewicht. Mit der prompten und unmissverständlichen Absage des zuständigen Bildungsministers ist die Idee einer generellen Ferienverkürzung politisch aber vorerst vom Tisch – offen bleibt, ob die Debatte über einzelne Reformschritte wie den Ausbau der Sommerbetreuung dennoch weitergeführt wird.

