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Das Sozialministerium hat Bilanz zum Wohnschirm gezogen, einem seit März 2022 laufenden Programm gegen Delogierungen wegen Mietrückständen. Seither wurden 18.736 armutsgefährdete Haushalte unterstützt, insgesamt profitierten 42.291 Personen. In 44 Prozent der Haushalte lebten minderjährige Kinder, bei 45 Prozent davon waren die Eltern laut ORF alleinerziehend. Das Programm wurde bis Ende 2029 verlängert und ist mit 28 Millionen Euro pro Jahr budgetiert.

Neben der Miethilfe umfasst der Wohnschirm auch Energiehilfe gegen Strom- und Gasabschaltungen sowie das Programm Housing First, über das laut Sozialministerium 1.815 wohnungslose Menschen unterstützt und 737 leistbare Wohnungen vermittelt wurden. Bei der genauen Personenzahl im Energie-Bereich weichen die Angaben von ORF und Der Standard geringfügig voneinander ab.

Die Bilanz beruht ausschließlich auf Angaben des Sozialministeriums selbst; eine unabhängige Einschätzung von Sozialverbänden oder Fachleuten zur tatsächlichen Wirksamkeit des Programms liegt bislang nicht vor.

Was passiert ist

Das Sozialministerium hat am Montag eine Bilanz zum sogenannten Wohnschirm vorgelegt, einem seit März 2022 laufenden Unterstützungsprogramm für Haushalte, denen wegen Mietrückständen eine Delogierung droht. Laut Ministerium wurden seither 18.736 solcher Haushalte unterstützt, insgesamt profitierten davon 42.291 Personen. Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) wertete die Zahl der bewilligten Anträge als Beleg dafür, dass der Wohnschirm wirke, und bezeichnete ihn als wichtiges Instrument des Sozialstaats. Das Programm wurde mehrfach verlängert und läuft nun bis Ende 2029, aktuell mit einem Jahresbudget von 28 Millionen Euro.

Die Zahlen im Detail

Der Wohnschirm gliedert sich in drei Bereiche. Im Bereich Miete gab es zwischen März 2022 und Ende Juli 2026 18.736 bewilligte Anträge, davon 17.086 zur Wohnungssicherung und 1.650 für einen Wohnungswechsel. Im Schnitt erhielten Betroffene 2.732 Euro zur Wohnungssicherung beziehungsweise 3.095 Euro im Fall eines Wohnungswechsels. In 44 Prozent der unterstützten Haushalte lebten minderjährige Kinder, laut ORF-Bericht waren bei 45 Prozent dieser Haushalte die Eltern alleinerziehend, 53 Prozent aller unterstützten Erwachsenen waren Frauen. Der zweite Bereich, „Wohnschirm Energie“, half seit Jänner 2023 bei der Vermeidung von Strom- und Gasabschaltungen: 33.599 Anträge wurden bewilligt, im Schnitt wurden 1.570 Euro ausgeschüttet. Wie viele Menschen dadurch konkret unterstützt wurden, wird leicht unterschiedlich angegeben. Im dritten Bereich, Housing First, wurden laut ORF 1.815 wohnungslose Menschen unterstützt und 737 leistbare Wohnungen vermittelt, 31 Prozent der Unterstützten waren Kinder.

Was unklar bleibt

Bei der Personenzahl im Bereich Wohnschirm Energie weichen die vorliegenden Berichte voneinander ab: ORF nennt 90.827 unterstützte Personen, Der Standard 90.732. Woher diese Differenz stammt, lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht klären. Unklar bleibt zudem, wie nachhaltig die Hilfe wirkt, also wie viele der unterstützten Haushalte ihre Wohnung auch über die akute Unterstützung hinaus halten konnten, und wie viele armutsgefährdete Haushalte mit Delogierungsdrohung keine oder nur abgelehnte Anträge hatten. Zu all dem liegt aus der aktuellen Aussendung keine Angabe vor.

Einordnung

Die vorliegende Berichterstattung stützt sich ausschließlich auf die vom Sozialministerium selbst kommunizierten Zahlen; eine unabhängige Bewertung der Wirksamkeit oder Reichweite des Programms durch Sozialverbände, Wohnungsexpertinnen und -experten oder die Opposition liegt nicht vor. Die Bilanz erscheint damit als Selbstdarstellung eines laufenden Regierungsprogramms, dessen grundsätzliche Existenz und Größenordnung durch mehrere Medien bestätigt ist, deren Bewertung als Erfolg aber vorerst nur von der zuständigen Ministerin selbst stammt.