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In Venedig eskaliert ein Streit zwischen selbsternannten Taschendieb-Jägern und mutmaßlichen Dieben. Der Youtuber Mervin Hunter, bürgerlich Mervin Dayagro, 45, philippinischer Staatsbürger mit Wohnsitz seit rund einem Jahr in Rom, verfolgt gemeinsam mit zwei britischen Videomachern Verdächtige, konfrontiert sie und markiert sie mit roter Farbe oder Wasser. Die Aktionen werden gefilmt und auf YouTube veröffentlicht. Bei einer jüngsten Konfrontation warfen mutmaßliche Diebe Steine und setzten Pfefferspray ein, die Stadtpolizei identifizierte alle Beteiligten.

Venedigs Bürgermeister Simone Venturini kritisiert die Aktionen scharf als Selbstjustiz, die vor allem dem Sammeln von Likes diene und dem Image der Stadt schade. Er verweist auf 75 Festnahmen mutmaßlicher Taschendiebe seit Jahresbeginn und kündigt an, die Polizeipräsenz mit 50 zusätzlichen Beamten bis Jahresende zu verstärken. Venedig kämpft seit Jahren mit Taschendiebstählen, bekannt ist etwa die Lokalpolitikerin Monica Poli, die als “Lady Pickpocket” seit längerem vor Taschendieben warnt.

Offen bleibt, wie viele Aufrufe die Videos tatsächlich erzielen – Angaben schwanken zwischen tausenden und hunderttausenden. Auch ob es rechtliche Konsequenzen für den Youtuber gibt und wie er selbst sowie die Betroffenen die Vorwürfe sehen, ist aus den vorliegenden Quellen nicht ersichtlich.

Was passiert ist

In Venedig ist ein Streit zwischen selbsternannten Taschendieb-Jägern und mutmaßlichen Dieben eskaliert. Im Zentrum steht der Youtuber Mervin Hunter, der eigentlich Mervin Dayagro heißt, 45 Jahre alt ist, philippinischer Staatsbürger ist und seit etwa einem Jahr in Rom lebt. Gemeinsam mit zwei britischen Videomachern sucht er Orte auf, an denen Taschendiebstähle vermutet werden, ruft laut “Pickpocket”, konfrontiert Verdächtige und markiert sie teils mit roter Farbe oder besprüht sie mit Wasser. Die Aktionen werden gefilmt und auf YouTube veröffentlicht. Nach Einsätzen in Rom ist die Gruppe inzwischen auch in Venedig unterwegs, unter anderem in Gassen, auf Plätzen und an Vaporetto-Anlegern.

Eskalation und Reaktion der Stadt

Nach Angaben der Behörden haben mutmaßliche Taschendiebe zuletzt zunehmend gewaltsam reagiert. Bei einer jüngsten Begegnung sprühten Hunter und seine Begleiter mit einer Sprühpistole, eine Gruppe mutmaßlicher Taschendiebe reagierte mit Steinwürfen und Pfefferspray. Die Stadtpolizei griff ein und identifizierte alle Beteiligten. Venedigs Bürgermeister Simone Venturini kritisiert die Aktionen der Youtuber scharf: Sie dienten vor allem dem Sammeln von Likes und schüfen zugleich Probleme für die öffentliche Ordnung. Die internationale Aufmerksamkeit für die Vorfälle habe dem Ansehen Venedigs als Tourismusdestination geschadet. Venturini verweist darauf, dass die Stadtpolizei seit Jahresbeginn 75 mutmaßliche Taschendiebe festgenommen habe, und lehnt die Aktionen als Selbstjustiz ab. Laut Bürgermeister will die Gemeinde stattdessen die Polizeipräsenz verstärken und bis Jahresende 50 neue Polizisten einstellen, wolle die Stadt aber nicht “militarisieren”.

Ein bekanntes Problem, ein neues Phänomen

Venedig kämpft seit Jahren mit dem Problem der Taschendiebe. Die Lokalpolitikerin Monica Poli, in Venedig als “Lady Pickpocket” bekannt, macht seit längerem mit lauten Rufen auf der Straße und auf den Vaporetti auf mutmaßliche Taschendiebe aufmerksam und veröffentlicht Fotos Verdächtiger in sozialen Netzwerken. Neu ist die Dimension, die das Phänomen durch international vernetzte Youtuber wie Hunter erreicht: Die Konfrontationen werden gezielt für ein Online-Publikum inszeniert und gefilmt, was die Aufmerksamkeit – und laut Bürgermeister auch die Konflikte – zusätzlich verschärft.

Was unklar bleibt

Wie viele Aufrufe die Videos tatsächlich erreichen, wird unterschiedlich angegeben: Österreichische Medien sprechen von teils hunderttausenden Aufrufen, ein italienischer Bericht dagegen nur von tausenden – die Angaben lassen sich aus den vorliegenden Quellen nicht auflösen. Offen ist auch, ob gegen Hunter oder seine Begleiter rechtliche Schritte eingeleitet werden; ein einzelner, nicht unabhängig bestätigter Bericht geht davon aus, dass bislang keine strafrechtliche Anklage vorliegt. Weder der Youtuber selbst noch die von ihm konfrontierten mutmaßlichen Taschendiebe kommen in den vorliegenden Berichten mit eigenen Aussagen zu Wort. Auch eine Stellungnahme von YouTube zur Moderation solcher Inhalte liegt nicht vor.

Einordnung

Der Fall zeigt ein Spannungsfeld, das über Venedig hinausweist: den Konflikt zwischen dem Wunsch nach sichtbarer Reaktion auf empfundene Kriminalität und den Risiken selbstorganisierter, kamerabegleiteter Konfrontationen im öffentlichen Raum. Da es sich bei den Betroffenen um “mutmaßliche” Taschendiebe handelt, ist in keinem der vorliegenden Berichte von rechtskräftig verurteilten Personen die Rede – die Vorwürfe beruhen auf den Einschätzungen der Youtuber selbst beziehungsweise der Stadtpolizei im Einzelfall.