Die jemenitische Huthi-Miliz soll saudi-arabisches Gebiet in dieser Woche erstmals von irakischem Staatsgebiet aus angegriffen haben – laut zwei Insidern, die mit der Erkenntnislage Saudi-Arabiens und seiner Partner vertraut sind, in Kooperation mit bewaffneten örtlichen Gruppen und unter Leitung der iranischen Revolutionsgarden. Ziel sollen unter anderem Ölanlagen im Osten des Königreichs gewesen sein. Offiziell bestätigt ist diese konkrete Zuschreibung bislang nicht: Saudi-Arabien machte mit dem Iran verbündete irakische Gruppen verantwortlich, die Huthi-Miliz reklamierte die Angriffe für sich.
Als Reaktion flogen Saudi-Arabien und die USA am Mittwoch gemeinsame Luftangriffe auf Ziele in mehreren irakischen Provinzen. Der irakische Nationale Sicherheitsrat wertete dies als eklatante Souveränitätsverletzung, Berichten zufolge kamen dabei mehrere Dutzend Angehörige pro-iranischer Milizen sowie iranische Militärberater ums Leben – unabhängig bestätigte Zahlen fehlen. Der irakische Regierungschef sagte daraufhin einen Antrittsbesuch bei Kronprinz Mohammed bin Salman ab, Bagdad kündigte eine Untersuchung an, und die Miliz Kataib Hisbollah drohte mit Vergeltung binnen einer bis 6. August gesetzten Frist.
Wie im bisherigen Bericht zu den gemeldeten Aramco-Angriffen in Jizan und Yanbu dargestellt, hatte der Konflikt zuvor bereits Schiffsverkehr und Ölpreis beeinflusst. Analysten sehen in der mutmaßlichen Irak-Route nun ein Zeichen wachsender direkter Koordination innerhalb der iranisch geführten „Achse des Widerstands“, in der der Irak nach dem Bedeutungsverlust von Assad-Syrien und der Hisbollah zunehmend als Knotenpunkt fungiere. Auch das bleibt eine Expertenwertung, keine amtlich bestätigte Tatsache.
Neue Spur: Angriffe vom irakischen Boden
Die jemenitische Huthi-Miliz soll saudi-arabisches Gebiet diese Woche erstmals nicht vom Roten Meer oder aus Jemen, sondern von irakischem Staatsgebiet aus angegriffen haben. Das berichten zwei Personen, die laut Medienangaben mit der Erkenntnislage Saudi-Arabiens und seiner Partner vertraut sind. Ihnen zufolge kooperierten Huthi-Kämpfer dabei mit bewaffneten örtlichen Gruppen im Irak, und die Operation stand unter Leitung der iranischen Revolutionsgarden. Als Ziel nennen die Insider unter anderem Ölanlagen im Osten des Königreichs.
Diese Zuschreibung stammt bislang ausschließlich aus anonymen Quellen. Weder Saudi-Arabien noch der Iran noch die Huthi-Miliz selbst haben die konkrete Kooperation mit irakischen Gruppen unter iranischer Führung offiziell bestätigt. Saudi-Arabien machte stattdessen offiziell mit dem Iran verbündete irakische Gruppen für die Angriffe verantwortlich, während die Huthi-Miliz die Urheberschaft für sich reklamierte – zwei Darstellungen, die sich nicht zwingend ausschließen, aber auch nicht unabhängig in Einklang gebracht wurden.
Vergeltung: US-saudische Luftschläge und diplomatischer Bruch
Als Reaktion flogen Saudi-Arabien und die USA am Mittwoch gemeinsame Luftangriffe auf Ziele in mehreren irakischen Provinzen. Der irakische Nationale Sicherheitsrat verurteilte dies als eklatante Verletzung der irakischen Souveränität. Berichten mehrerer internationaler Medien zufolge kamen dabei mehrere Dutzend Angehörige pro-iranischer Milizen sowie iranische Militärberater ums Leben – belastbare, unabhängig geprüfte Opferzahlen liegen dafür allerdings nicht vor.
Die diplomatischen Folgen zeigten sich rasch: Der irakische Regierungschef sagte einen für Donnerstag geplanten Antrittsbesuch beim saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman ab. Internationale Medien transkribieren seinen Namen unterschiedlich – teils als „al-Zaidi“, teils als „al-Saidi“ –, gemeint ist derselbe Regierungschef. Der Irak kündigte zugleich eine Untersuchung der Vorwürfe an, sein Territorium sei für Angriffe auf Saudi-Arabien genutzt worden. Die pro-iranische Miliz Kataib Hisbollah drohte laut Berichten mit Vergeltung und setzte der irakischen Regierung eine Frist bis 6. August, ihre Souveränität zu verteidigen – wie genau sich das auswirken soll, ist offen.
Vorgeschichte
Wie im bisherigen Bericht zur Huthi-Warnung und den gemeldeten Aramco-Angriffen in Jizan und Yanbu dargestellt, hatte sich der Huthi-Saudi-Konflikt zuletzt bereits über einen eingebrochenen Schiffsverkehr durch Bab al-Mandab und einen zwischenzeitlich stark schwankenden Ölpreis bemerkbar gemacht. Die jetzt bekannt gewordene mutmaßliche Verlagerung von Angriffen auf irakisches Territorium markiert eine geografisch neue Eskalationsstufe dieses Konflikts, losgelöst von den dort noch offenen Fragen zu Jizan und Yanbu.
Einordnung: engere Vernetzung der „Achse des Widerstands“
Die geschilderten Vorfälle unterstreichen nach Einschätzung von Analysten eine wachsende direkte Zusammenarbeit innerhalb der vom Iran angeführten sogenannten Achse des Widerstands. Farea al-Muslimi von der Denkfabrik Chatham House wird mit der Einschätzung zitiert, es gebe nun unmittelbare Koordination und gegenseitige Ausbildung unter den Mitgliedern selbst, nicht mehr nur über den Iran als zentralen Vermittler. Nach dem Sturz des syrischen Machthabers Bashar al-Assad und der Schwächung der Hisbollah im Libanon falle dem Irak demnach eine zunehmend wichtige Rolle als Knotenpunkt dieses Netzwerks zu.
Huthi-Miliz und irakische Gruppen wie Kataib Hisbollah sollen bereits seit 2024 eine gemeinsame Einsatzzentrale betreiben, die mehr als 800 Kilometer lange und schwer zu überwachende Grenze zwischen Irak und Saudi-Arabien böte dafür eine schwer kontrollierbare Ausgangsbasis. Auch diese Einordnung stützt sich auf eine einzelne Expertenstimme und ist nicht unabhängig verifiziert.

