Eine neue Studie im Fachjournal The Lancet Regional Health – Europe hat Impfquoten für sieben Kinderimpfungen in allen 27 EU-Staaten über die Jahre 1980 bis 2024 ausgewertet und dabei seit der Corona-Pandemie eine breite Verschlechterung festgestellt. In 16 EU-Ländern sind die Quoten bei mindestens vier der sieben untersuchten Impfungen zurückgegangen, am häufigsten bei den Impfungen gegen Hib und Polio mit je 20 betroffenen Ländern. Österreich zeigt ein gemischtes Bild mit drei positiven und drei negativen Trends unter den sieben Impfungen – schlechter schneiden etwa Bulgarien, Irland, die Niederlande, Rumänien, Schweden und Zypern ab, die bei allen sieben Impfungen rückläufige Werte verzeichnen. Nur Luxemburg und Portugal erreichten 2024 bei sämtlichen sieben Impfungen die von Fachleuten als Zielwert genannten mindestens 95 Prozent.
Damit ergänzt die Studie einen bereits auf dieser Seite berichteten WHO/UNICEF-Befund zu 2025, der für die größere WHO-Europaregion rund 566.000 komplett ungeimpfte und weitere rund 258.000 unzureichend geimpfte Kinder auswies und Österreichs vollständige Impfserien unterhalb des 95-Prozent-Zielwerts verortete. Die neue Analyse deckt mit ihrem 40-jährigen Zeitfenster und ihrer EU-27-Perspektive einen anderen Ausschnitt ab und bestätigt den Trend einer nachlassenden Dynamik seit der Pandemie, beantwortet aber nicht, welche der sieben Impfungen in Österreich konkret zulegten oder sanken.
Zu den Ursachen macht die Studie laut den vorliegenden Berichten ausdrücklich keine abschließende Aussage. Als mögliche Faktoren werden Fehlinformationen und ein verändertes Vertrauen in Impfstoffe genannt, ohne dass diese Erklärung als belegt gelten kann. Offen bleibt daher, welchen Anteil pandemiebedingte Versorgungsunterbrechungen gegenüber einer gestiegenen Impfskepsis haben, und wie das österreichische Gesundheitsressort die Länderdaten selbst einordnet.
Neue Studie liefert 40-Jahres-Bild
Eine am 17. bzw. 18. September 2026 veröffentlichte Studie im Fachjournal The Lancet Regional Health – Europe liefert erstmals eine langfristige, länderübergreifende Auswertung: Für alle 27 EU-Staaten wurden die Quoten von sieben Kinderimpfungen – gegen Diphtherie-Tetanus-Keuchhusten, Hepatitis B, Meningitis B, Polio, Pneumokokken, Masern und Röteln – über den Zeitraum 1980 bis 2024 ausgewertet. Das Ergebnis: Die EU habe zwar „historisch hohe“ Impfquoten erreicht, doch seit der Corona-Pandemie zeige sich eine breite und laut den beteiligten Forschenden „besorgniserregende“ Verschlechterung. In 16 der 27 Staaten sind die Quoten bei mindestens vier der sieben untersuchten Impfungen zurückgegangen. Am häufigsten betroffen waren Impfungen gegen Hib-Bakterien und Polio, mit rückläufigen Trends in jeweils 20 Ländern, gefolgt von Hepatitis B (18 Länder) und der Dreifachimpfung gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten (17 Länder).
Österreich zwischen Zu- und Abnahme
Für Österreich zeichnet die Studie ein uneinheitliches Bild: Von den sieben untersuchten Impfungen verzeichnet das Land laut den vorliegenden Berichten drei mit positivem und drei mit negativem Trend – ein Mittelfeldplatz, den nur Finnland in ähnlicher Form teilt. Deutlich schlechter schneiden Länder wie Bulgarien, Irland, die Niederlande, Rumänien, Schweden und Zypern ab, wo bei allen sieben untersuchten Impfungen rückläufige Trends registriert wurden. Am anderen Ende der Skala erreichten 2024 nur Luxemburg und Portugal bei sämtlichen sieben Impfungen den international als Zielwert geltenden Schwellenwert von mindestens 95 Prozent Durchimpfung – jene Marke, unterhalb derer laut Fachleuten das Risiko für das Wiederaufleben eigentlich vermeidbarer Krankheiten steigt. Welche der sieben Impfungen in Österreich konkret zulegten und welche sanken, geht aus den bisher vorliegenden Berichten nicht im Detail hervor.
Vorgeschichte: Bereits bekannte Warnsignale
Dass Kinderimpfquoten in Europa unter Druck stehen, war bereits Thema eines bisherigen Berichts auf dieser Seite, der auf einen gemeinsamen WHO/UNICEF-Bericht zu 2025 einging: Demnach waren in der 53 Staaten umfassenden WHO-Europaregion rund 566.000 Kinder ganz ohne Impfschutz, weitere rund 258.000 nur unzureichend geimpft, wobei Österreichs Werte bei einzelnen Standardimpfungen als stabil bis leicht steigend galten, bei vollständigen Impfserien aber laut Berichten unter dem 95-Prozent-Zielwert lagen. Die neue Lancet-Studie deckt einen anderen, enger gefassten Raum ab (nur die 27 EU-Staaten statt der 53 WHO-Europaländer) und stützt sich auf eine andere Methodik mit einem 40 Jahre langen Zeitfenster – sie bestätigt den grundsätzlichen Trend einer nachlassenden Dynamik, ohne die im bisherigen Bericht offen gebliebenen Fragen zur Länderaufschlüsselung der WHO/UNICEF-Zahlen oder zur Erklärung der heimischen Ministerien zu beantworten.
Ursachenfrage bleibt offen
Die Studie war laut den vorliegenden Berichten nicht darauf angelegt, die Gründe für die Verschlechterung zu klären. Als mögliche Faktoren nannten die beteiligten Forscherinnen und Forscher unter anderem Fehlinformationen und ein verändertes Vertrauen in Impfstoffe – eine Einordnung, keine belegte Kausalkette. Offen bleibt damit auch, welchen Anteil pandemiebedingte Unterbrechungen von Impfprogrammen gegenüber einer gestiegenen Impfskepsis an der beobachteten Entwicklung haben. Eine Stellungnahme des österreichischen Gesundheitsressorts zu den Länderdaten liegt bislang nicht vor.

