Meta hat die Kameras tausender seiner KI-Datenbrillen per Software-Update deaktiviert, nachdem festgestellt wurde, dass Nutzer:innen die eingebaute Aufnahme-LED manipuliert oder entfernt hatten. Laut übereinstimmenden Medienberichten unterscheidet das System zwischen reversibel verdeckten LEDs, bei denen die Kamera nach Entfernen der Abdeckung wieder freigeschaltet wird, und physisch zerstörten LEDs, bei denen die Sperre dauerhaft bleibt – Letzteres ist bislang allerdings nur über eine Berichtskette und nicht direkt durch Meta belegt. Wie im bisherigen Bericht zu den Instagram-Sperrungen und dem Innsbrucker Anzengruber-Fall dargestellt, steht Meta seit dem Sommer wegen heimlicher Aufnahmen in der Kritik; mit der Kamerasperre reagiert der Konzern nun erstmals technisch auf die damals offene Frage nach der Manipulierbarkeit der LED.
Konkreten Anlass liefert unter anderem eine im August veröffentlichte Studie der University of Sydney, die anhand von 350 Instagram-Videos aus den Jahren 2023 bis 2026 zeigt, dass rund 60 Prozent der verdeckt mit Datenbrillen gefilmten Aufnahmen belästigendes Verhalten enthielten und 43 Prozent zu beleidigenden Kommentaren gegenüber den gefilmten Frauen führten. Meta beziffert den Anteil der gesperrten Geräte auf unter ein Promille aller verkauften Brillen – eine unternehmenseigene, nicht unabhängig geprüfte Angabe – und will zusätzlich Inhalte und Konten entfernt haben, die LED-Manipulationsdienste bewarben.
Offen bleibt, ob Meta seine Zahlen durch eine eigene, direkt einsehbare Mitteilung bestätigt, wie die technische Unterscheidung zwischen Abdeckung und Zerstörung der LED genau funktioniert, ob die Maßnahme tatsächlich weniger heimliche Aufnahmen zur Folge hat und ob sie die Debatte um ein mögliches Verkaufsverbot in Deutschland beeinflusst.
Kamerasperre nach manipulierter LED
Meta hat die Kamerafunktion bei tausenden Exemplaren seiner KI-Datenbrillen per Software-Update deaktiviert. Auslöser war laut übereinstimmenden Berichten mehrerer Medien, dass Nutzer:innen die eingebaute Aufnahme-LED – jenes Lämpchen, das beim Fotografieren aufblitzt und bei Videoaufnahmen durchgehend blinkt – manipuliert oder ganz entfernt hatten, etwa durch Abdecken, Aufbohren oder spezialisierte Dienstleistungen, die genau dafür angeboten wurden. Sobald Metas System eine solche Manipulation erkennt, wird die Kamera des betroffenen Geräts gesperrt.
Nach bisherigen Berichten unterscheidet Meta dabei zwei Fälle: Wurde die LED nur reversibel verdeckt, etwa mit einem Aufkleber, soll die Kamerafunktion nach Entfernen der Abdeckung wieder freigeschaltet werden. Wurde die LED hingegen physisch zerstört oder ausgebaut, bleibt die Kamera dauerhaft unbrauchbar. Diese Differenzierung ist bislang nur über eine Berichtskette und nicht über eine direkt einsehbare Meta-Mitteilung belegt.
Vorgeschichte
Wie im bisherigen Bericht zu den Instagram-Sperrungen und dem Innsbrucker Anzengruber-Fall dargestellt, stehen Metas Smart Glasses seit dem Sommer wegen heimlicher Aufnahmen und fraglicher Erkennbarkeit der Aufnahme-LED in der Kritik; der Hamburgische Datenschutzbeauftragte hält seither ein Verkaufsverbot in Deutschland für möglich. Eine damals offene Frage lautete, ob sich Meta zur Manipulierbarkeit der LED überhaupt äußert – mit der aktuellen Kamerasperre liegt nun erstmals eine technische Reaktion des Konzerns auf genau diesen Punkt vor.
Die Studie hinter dem Vorstoß
Konkreten Anlass liefert unter anderem eine im August veröffentlichte Studie von Forscher:innen der University of Sydney. Sie analysierten 350 zwischen September 2023 und März 2026 auf Instagram veröffentlichte Videos, in denen Männer mit Datenbrillen Frauen im öffentlichen Raum ansprachen, um Telefonnummern oder Instagram-Kontakte zu bekommen und die Begegnungen online zu teilen. Laut der Untersuchung zeigte rund 60 Prozent der verdeckt gefilmten Aufnahmen Verhalten, das als Belästigung eingestuft wird; 43 Prozent der Videos zogen beleidigende oder abwertende Kommentare gegenüber den gefilmten Frauen nach sich, wobei die Kommentarfunktion bei 93,3 Prozent der Beiträge offen blieb. Die Forscher:innen argumentieren, dass Datenbrillen neue Formen von Belästigung ermöglichen, die von bestehenden Regeln zur Plattform-Sicherheit bislang nicht erfasst werden.
Metas Reaktion im Detail
Meta selbst gibt laut Medienberichten an, dass die Sperraktion weniger als ein Promille aller jemals verkauften Brillen betrifft. Bei einer für 2025 berichteten Verkaufszahl von rund 7 Millionen Einheiten würde das dennoch eine Größenordnung von mehreren Tausend betroffenen Geräten ergeben – die zugrunde liegenden Zahlen stammen jedoch von Meta selbst und sind nicht unabhängig geprüft. Neben der Kamerasperre soll Meta laut denselben Berichten auch Inhalte entfernt haben, die Anleitungen oder Dienste zur LED-Manipulation bewarben, sowie Konten gesperrt haben, die solche Modifikationen anboten; rechtliche Schritte gegen Anbieter entsprechender Dienste werden als Option genannt.
Was offen bleibt
Unklar bleibt, ob Meta die genannten Zahlen jemals durch eine eigene, direkt einsehbare Mitteilung bestätigt, und wie das System technisch zwischen reversibler Abdeckung und dauerhafter Zerstörung der LED unterscheidet. Ebenso offen ist, ob die Maßnahme tatsächlich zu weniger heimlichen Aufnahmen führt, ob sie die Einschätzung des Hamburgischen Datenschutzbeauftragten zu einem möglichen Verkaufsverbot beeinflusst und ob sich Meta oder die Studienautor:innen der University of Sydney direkt zueinander äußern.

