Instagram geht künftig gegen Videos vor, die Menschen heimlich mit Smart Glasses zeigen und bloßstellen. Instagram-Chef Adam Mosseri kündigte per Instagram-Story an, solche Inhalte – etwa sogenannte Flirtvideos – zu entfernen. Meta hat laut Berichten bereits zwei reichweitenstarke Konten deaktiviert, die Frauen im öffentlichen Raum ohne Einwilligung gefilmt hatten, und ein Update ausgerollt, das die Aufnahme-LED der Brillen vor Manipulation schützen soll.
Parallel sorgt in Österreich ein konkreter Fall für Diskussionen: Innsbrucks Bürgermeister Johannes Anzengruber trägt öffentlich eine KI-gestützte Datenbrille, was bei Amtskolleg:innen Sorge vor heimlichen Aufnahmen auslöst. Anzengruber weist das zurück und begründet die Brille mit Augenschonung und Telefonie. Befragte Jurist:innen – ein Rechtsanwalt der Universität Wien sowie ein Rechtswissenschaftler – kommen unabhängig voneinander zum Schluss, dass die Aufnahme-LED allein nicht als ausreichende Information nach Datenschutzrecht gilt.
Offen bleibt, ob Instagrams Sperrpraxis auch andere Meta-Dienste betrifft, wie die missbräuchlichen Aufnahmen technisch erkannt werden und ob der Innsbrucker Fall politische oder rechtliche Folgen hat. Kontosperren dürften das Problem ohnehin nicht lösen, da Täter auf Dienste wie TikTok ausweichen können, die sich Metas Kontrolle entziehen.
Was passiert ist
Instagram geht künftig gegen Videos vor, die mit Smart Glasses heimlich aufgenommen wurden und Menschen bloßstellen oder belästigen. Das hat Instagram-Chef Adam Mosseri in einer Instagram-Story angekündigt. Wer Inhalte veröffentliche, die andere Menschen vorführen und belästigen – etwa sogenannte Flirtvideos –, dessen Beiträge würden entfernt, sagte Mosseri laut heise online und kündigte an, „mit allen verfügbaren Mitteln“ dagegen vorzugehen. Meta hat demnach bereits zwei reichweitenstarke Instagram-Konten deaktiviert, die regelmäßig Frauen im öffentlichen Raum ohne deren Einwilligung gefilmt hatten; das Unternehmen bestätigte laut heise, dass die Sperren wegen belästigender Videos erfolgten, die mit Meta-Smart-Glasses aufgenommen worden waren. Zusätzlich hat Meta ein Update ausgerollt, das die Aufnahme-LED der Brillen vor Manipulation schützen soll.
Der Innsbrucker Fall
Parallel zur globalen Debatte sorgt in Österreich ein konkreter Fall für Diskussionen: Innsbrucks Bürgermeister Johannes Anzengruber trägt öffentlich eine KI-gestützte Smart-Glasses-Brille, laut Tiroler Tageszeitung ein Modell von Oakley Meta. Mehrere seiner Amtskolleg:innen fürchten laut übereinstimmenden Berichten von Die Presse, Kleine Zeitung, ORF Tirol und Tiroler Tageszeitung, ohne ihr Wissen aufgezeichnet zu werden. Anzengruber weist das zurück: Er trage die Brille in erster Linie zur Schonung der Augen sowie um zu telefonieren und sich Nachrichten vorlesen zu lassen, die Kamerafunktion nutze er nicht. Nach ORF-Tirol-Berichten hatten KPÖ und Alternative Liste (ALI) im Innsbrucker Gemeinderat dazu eine Anfrage eingebracht.
Was die Rechtslage sagt
Zur rechtlichen Einordnung hat Die Presse den Rechtsanwalt und Datenschutzbeauftragten der Universität Wien, Daniel Stanonik, befragt. Demnach braucht es für die Verarbeitung personenbezogener Daten – etwa wenn eine Person auf einem Video erkennbar ist – stets eine Rechtsgrundlage, etwa berechtigtes Interesse oder eine informierte Einwilligung, die auch den Zweck der Aufnahme umfassen muss. Die an den Brillen verbaute Aufnahme-LED reicht laut Stanonik dafür nicht aus, weil Betroffene daraus nicht ableiten können, wozu ihre Daten verwendet werden – zumal die Aufnahmen oft cloudbasiert und teils in datenschutzrechtlich schwächer regulierte Drittländer wie die USA übermittelt werden. Zu einer ganz ähnlichen Einschätzung kommt laut ORF Tirol unabhängig davon der Rechtswissenschaftler Matthias Kettemann im Innsbrucker Fall: Ein kleines Lichtsignal sei als Transparenzmaßnahme unzureichend, etwa weil es bei Gegenlicht oder Sonnenschein leicht übersehen werden könne.
Was unklar bleibt
Offen ist, ob Instagrams neue Sperrpraxis auch für andere Meta-Dienste wie Facebook gilt – dazu liegt laut heise keine Angabe vor. Unklar bleibt zudem, wie Instagram missbräuchliche Aufnahmen technisch überhaupt erkennt, und wie verbreitet das Phänomen heimlicher Smart-Glasses-Aufnahmen im deutschsprachigen Raum tatsächlich ist; belastbare Zahlen dazu liegen nicht vor. Auch Kontosperren dürften Täter kaum aufhalten, da sie laut heise auf Plattformen wie TikTok ausweichen können, die sich Metas Kontrolle entziehen. Im Innsbrucker Fall ist offen, ob die politische Kritik an Anzengruber weitere Folgen hat, etwa im Gemeinderat, und ob es zu einer offiziellen Stellungnahme der Datenschutzbehörde kommt.
Einordnung
Metas Vorstoß fällt in eine Phase wachsender öffentlicher Kritik an Smart Glasses. Eine Werbekampagne des Konzerns mit der US-Influencerin Kylie Jenner war zuvor auf Gegenwind gestoßen, und die Sängerin Lorde bezeichnete die Brillen bei einem Festivalauftritt öffentlich als „nicht sexy“ und riet vom Kauf ab. Berichte über Tests von Gesichtserkennungsfunktionen und über kenianische Datenannotator:innen, die private Nutzervideos gesichtet haben sollen, hatten die Vorbehalte laut heise zusätzlich verstärkt. Der Innsbrucker Fall zeigt, dass die Debatte längst auch in Österreich angekommen ist – nicht nur bei anonymen „Rizzfluencern“, sondern bei einem Amtsträger, dessen Geräteauswahl zum politischen Streitpunkt wurde.

