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Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu lässt wegen Verleumdung gegen die Zeitung „Haaretz“ und den Journalisten Shlomi Eldar klagen – das bestätigen inzwischen auch ORF und Kurier. Anlass ist eine Recherche aus dem Buch „Geiseln: 843 Tage Entbehrung“ von Shlomi Eldar und Ruth Yuval, aus dem Haaretz vorab berichtete: Der emiratische Präsident Mohamed bin Zayed Al-Nahyan soll Netanyahu rund eineinhalb Wochen vor dem 7. Oktober 2023 in einem rund 40- bis 45-minütigen Telefonat gewarnt haben, Hamas-Chef Yahya al-Sinwar bereite ein „bedeutendes Ereignis“ vor – eine Warnung, die Netanyahu laut Bericht weder Armee noch Geheimdiensten mitgeteilt habe. Der frühere Shin-Bet-Chef Ronen Bar und der damalige Generalstabschef Herzi Halevi bestätigten Haaretz jeweils, davon nichts gewusst zu haben. Laut Recherche gingen dem Anruf monatelange informelle Gespräche zwischen Israel und Hamas über Waffenruhe, wirtschaftliche Erleichterungen und einen Gefangenenaustausch voraus, die Netanyahu wiederholt verzögert habe, bevor Sinwar über Mittelsmänner drohte; zudem soll Netanyahu einen zuvor erwogenen Präventivschlag abgelehnt und jahrelang eine „Divide-et-impera“-Politik zwischen Hamas und Fatah verfolgt haben, samt zugelassener Geldtransfers eines Golfstaats an die Hamas – welcher Staat gemeint ist, wird in den Quellen uneinheitlich benannt.

Netanyahu bestreitet jedes Gespräch mit dem emiratischen Präsidenten im fraglichen Zeitraum, nennt die Vorwürfe eine „totale Lüge“ und verweist auf interne Prüfungen ohne entsprechenden Nachweis. Haaretz hält trotz der Klagsandrohung an seiner Darstellung fest, die Emirate äußern sich weiterhin nicht offiziell.

Die Kontroverse trifft Netanyahu inmitten wachsenden innenpolitischen Drucks vor der israelischen Parlamentswahl am 27. Oktober 2026; er selbst spricht von einem Wahlkampfmanöver der Linken. Ob der geschilderte Warnanruf und die weiteren Rechercheschritte tatsächlich stattfanden, ist unabhängig nicht geklärt – die Darstellung stammt bislang ausschließlich aus einer einzelnen investigativen Rechercheserie.

Was passiert ist

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat seine Anwälte angewiesen, wegen Verleumdung gegen die linksliberale Zeitung „Haaretz“ und den Journalisten Shlomi Eldar zu klagen. Das bestätigen mittlerweile neben Israel Hayom und JNS auch ORF und Kurier. Anlass ist eine Recherche aus dem in diesen Tagen erscheinenden Buch „Geiseln: 843 Tage Entbehrung“ der Journalisten Shlomi Eldar und Ruth Yuval, aus dem Haaretz vorab berichtete: Der emiratische Präsident Mohamed bin Zayed Al-Nahyan soll Netanyahu rund eineinhalb Wochen vor dem 7. Oktober 2023 in einem rund 40- bis 45-minütigen Telefonat gewarnt haben, Hamas-Chef Yahya al-Sinwar bereite ein „bedeutendes Ereignis“ vor. Netanyahu bestreitet, dass es in diesem Zeitraum überhaupt ein Gespräch mit dem emiratischen Präsidenten gab, und nennt den Bericht eine „totale Lüge“.

Was die Recherche im Detail behauptet

Dem Buch- und Zeitungsbericht zufolge habe Netanyahu die Warnung nicht an die israelische Armee oder die Geheimdienste weitergegeben. Der frühere Shin-Bet-Chef Ronen Bar und der damalige Generalstabschef Herzi Halevi bestätigten laut internationalen Medienberichten gegenüber Haaretz jeweils, davon nichts gewusst zu haben – ein Detail, das über eine rein anonyme Quellenlage hinausgeht, aber ebenfalls Teil derselben Rechercheserie bleibt.

Dem Anruf sollen laut Recherche monatelange, fast direkte Gespräche zwischen israelischer Regierung und Hamas in Gaza vorausgegangen sein: über wirtschaftliche Erleichterungen für den Gazastreifen, darunter eine mögliche Gasversorgung aus einem Feld vor der Küste, eine längerfristige Waffenruhe sowie eine Grundsatzeinigung über die Freilassung palästinensischer Häftlinge im Austausch gegen zwei von der Hamas festgehaltene Israelis. Netanyahu habe eine Entscheidung darüber wiederholt hinausgezögert, woraufhin Sinwar über einen Hamas- und einen Fatah-Vertreter als Mittelsmänner habe ausrichten lassen, er bereite ein „Erdbeben“ vor. Erst nach einer zweiten derartigen Drohung habe der emiratische Präsident bei Netanyahu angerufen; dieser habe geantwortet, Israel habe Gaza unter Kontrolle, gefährlicher sei die Lage im Westjordanland.

Schon zuvor habe es laut Bericht weitere Warnhinweise gegeben, die zu Beratungen Netanyahus mit der Armee- und Geheimdienstspitze führten, ohne dass dabei Entscheidungen getroffen wurden; ein erwogener Präventivschlag gegen Hamas sei von Netanyahu abgelehnt worden. Der Bericht wirft ihm zudem vor, jahrelang eine Politik der gezielten Stärkung der Hamas gegenüber der Fatah verfolgt und Geldtransfers eines Golfstaats an die Hamas zugelassen zu haben – welcher Staat genau gemeint ist, wird in den vorliegenden Quellen allerdings uneinheitlich benannt. All diese Detailpunkte stammen aus derselben investigativen Rechercheserie und sind unabhängig nicht überprüft.

Reaktionen und Gegendarstellungen

Netanyahu bestreitet über sein Büro jedes Gespräch mit dem emiratischen Präsidenten zwischen Anfang September und dem 7. Oktober 2023 und verweist auf interne Prüfungen von Kanzleramt, Nationalem Sicherheitsrat und Militärsekretariat, die keinen Nachweis eines solchen Kontakts ergeben hätten. Er bezeichnete den Bericht als Teil eines Wahlkampfs der politischen Linken. Haaretz hält den vorliegenden Medienberichten zufolge trotz der angekündigten Klage an seiner Darstellung fest. Die Vereinigten Arabischen Emirate wollten sich laut bisherigen Berichten nicht zu Medienspekulationen über Gespräche zwischen Regierungschefs äußern; eine offizielle Stellungnahme über diese Zurückhaltung hinaus liegt nicht vor.

Politischer Kontext

Die Auseinandersetzung fällt in eine ohnehin angespannte politische Lage: Israel steht am 27. Oktober 2026 vor einer Parlamentswahl, bei der laut Umfragen weder Netanyahus Lager noch das seiner Gegner mit einer absoluten Mehrheit rechnen kann. Kritiker werfen Netanyahu vor, keine persönliche Verantwortung für das Massaker vom 7. Oktober 2023 übernommen zu haben; Der Standard ordnete den Vorwurf in einem Kommentar seines leitenden Redakteurs als „ungeheuerlich“ ein, ohne ihn damit als erwiesen zu bewerten.

Was unklar bleibt

Offen ist, ob es unabhängig überprüfbare Belege für oder gegen ein Telefonat zwischen Netanyahu und dem emiratischen Präsidenten im fraglichen Zeitraum gibt – etwa Anrufprotokolle, die über die bloße Behauptung interner Prüfungen hinausgehen. Weder der Haaretz-Bericht bzw. das zugrunde liegende Buch noch mögliche Gegenbeweise wurden von uns im Volltext eingesehen. Unklar bleibt auch, welcher Golfstaat tatsächlich mit den geschilderten Geldtransfers an die Hamas in Verbindung gebracht wird, wie sich die Verhandlungs-Details unabhängig belegen lassen und wie das angekündigte Gerichtsverfahren gegen Haaretz und Shlomi Eldar konkret verläuft.