Der ORF-Stiftungsrat hat Franz Medwenitsch am 24. September 2026 mit deutlicher Mehrheit der 35 Stimmen zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden gewählt und ihm zugleich die Sprecherrolle des ÖVP-„Freundeskreises“ übertragen. Damit ist die zuvor offene Nachfolgefrage nach dem im August zurückgetretenen Gregor Schütze geklärt – Hintergrund und Ausschreibung dazu sind im bisherigen Bericht nachzulesen. Medwenitsch war bereits von 2010 bis 2025 in der Vize-Funktion tätig und zuvor Geschäftsführer des Musikwirtschaftsverbands IFPI.
In derselben Sitzung kündigte Generaldirektorin Ingrid Thurnher eine tiefgreifende Neuaufstellung des Hauses an: Der ORF müsse sich in vielen Teilen „völlig neu“ organisieren, auch auf Führungsebene werde eingespart – für viele langjährige Beschäftigte eine „bittere Pille“. Ein Sonderfinanzausschuss soll im Oktober das Budget 2027 fixieren, ohne dass eine Beitragserhöhung angestrebt wird; diese Terminierung stammt bislang aus nur einem Bericht.
Unverändert offen bleibt der Streit um die gestrichene 93-Millionen-Euro-Kompensation des Bundes: Der ORF hält an einer Verfassungsgerichtshof-Beschwerde fest, ein Rechtsgutachten sei laut Thurnher „so gut wie fertig“ – auch dies bislang nur einfach belegt. Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer betonte zudem, der Übergang zur ab 2027 amtierenden Generaldirektion unter Clemens Pig, der zur Sitzung geladen war, solle reibungslos verlaufen.
Nachfolge geklärt: Medwenitsch gewählt
Der ORF-Stiftungsrat hat am 24. September 2026 in seiner Plenarsitzung Franz Medwenitsch zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Er erhielt eine deutliche Mehrheit der 35 abgegebenen Stimmen, bei zwei Gegenstimmen und einzelnen Enthaltungen. Damit ist die zuvor offene Frage beantwortet, wer die im Sommer ausgeschriebene Nachfolge von Gregor Schütze antritt. Medwenitsch übernimmt zugleich dessen zweite Funktion: die Sprecherrolle für die von der ÖVP nominierten Mitglieder im Gremium, den sogenannten ÖVP-„Freundeskreis“.
Der neue Vize ist im Stiftungsrat kein Unbekannter: Er hatte den Posten bereits von 2010 bis 2025 inne, war langjähriger Geschäftsführer des Musikwirtschaftsverbands IFPI und ist laut Kurier-Bericht derzeit im Beratungsgeschäft tätig. Eine eigene Stellungnahme Medwenitschs zu seinen Plänen in den neuen Rollen liegt bislang nicht vor.
Vorgeschichte
Schütze hatte sein Amt am 11. August 2026 zurückgelegt und dies mit seinem Fokus auf eigene Unternehmen begründet; das Kultur- und Medienministerium schrieb die Nachbesetzung daraufhin aus. Details zum Rücktritt, zum zeitlichen Ablauf der Ausschreibung und zu den seinerzeit kursierenden Unvereinbarkeitsvorwürfen gegen andere Stiftungsratsmitglieder sind im bisherigen Bericht dazu dargestellt und werden hier nicht wiederholt.
Sparkurs: „bittere Pille“ für die Belegschaft
Die Sitzung, in der Medwenitsch gewählt wurde, stand zugleich im Zeichen der Budgetlage des Hauses. Generaldirektorin Ingrid Thurnher kündigte an, der ORF müsse sich angesichts des Sparbedarfs „in vielen seiner Teile völlig neu aufstellen“ – eine Entwicklung, die sie selbst als „bittere Pille“ für viele langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bezeichnete. Nach ihren Worten soll dabei nicht nach dem Prinzip gleichmäßiger Kürzungen vorgegangen werden; stattdessen sei eine strategische Neuausrichtung geplant, bei der auch auf Führungsebene eingespart werden soll. Gespräche mit dem Betriebsrat sollen in Kürze folgen.
Laut Kurier-Bericht soll ein eigens einberufener Sonderfinanzausschuss des Stiftungsrats im Oktober das Budget für 2027 sowie die Finanzplanung für die Folgejahre fixieren. Ziel sei es, das Einsparungsziel ohne eine Erhöhung des ORF-Beitrags zu erreichen. Diese konkrete Terminierung stützt sich bislang nur auf eine Quelle.
Weiterhin ungeklärt: Streit um 93 Millionen Euro
Unverändert im Raum steht der finanzielle Konflikt mit der Bundesregierung: Dieser hatte dem ORF die Kompensation für den mit dem Umstieg von der GIS-Gebühr auf den ORF-Beitrag entfallenen Vorsteuerabzug gestrichen, was dem Sender laut ORF-Angaben rund 93 Millionen Euro pro Jahr kurzfristig entzieht. Der ORF hält an seiner Ankündigung fest, deswegen den Verfassungsgerichtshof anzurufen. Laut Thurnher sei das dafür nötige Rechtsgutachten „so gut wie fertig“ – ob und wann die Beschwerde tatsächlich eingebracht wird, ist damit aber noch nicht gesagt, und diese Angabe beruht bislang auf einem einzelnen Medienbericht.
Blick Richtung Führungswechsel 2027
Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer betonte laut Kurier, ein „reibungsloser Übergang inhaltlich und ökonomisch“ von der amtierenden Generaldirektion zur nächsten müsse gelingen. Der designierte künftige ORF-Chef Clemens Pig war eigens zur Sitzung geladen; man arbeite in diesem Prozess „Hand in Hand“. Diese Einschätzung ist bislang nur einfach belegt und dürfte angesichts der parallel laufenden Sparmaßnahmen und des noch ungeklärten VfGH-Verfahrens in den kommenden Monaten weiter an Bedeutung gewinnen.


