Die Raiffeisen Bank International hat im ersten Halbjahr 2026 ohne ihr Russland-Geschäft rund ein Viertel mehr verdient als im Vorjahr: Der Konzerngewinn stieg auf 708 Millionen Euro, getragen von einem Kreditwachstum um 6 Prozent auf 107 Milliarden Euro. Seit 1. Juli führt Michael Höllerer die Bank und kündigt eine neue Wachstumsstrategie an. Parallel treibt er die Übernahmen der Addiko Bank und der BBVA Garanti in Rumänien voran, deren Abschluss für Herbst 2026 erwartet wird.
Auch das russische Geschäft der RBI kehrte in die Gewinnzone zurück: 550 Millionen Euro nach einem Verlust von 437 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Im Rechtsstreit mit dem russischen Strabag-Kernaktionär Rasperia ist die RBI nun selbst zum Gegenschlag ausgeholt und klagt in Österreich auf 3,15 Milliarden Euro Schadenersatz. Auch Zinsüberschuss, Provisionsüberschuss und Betriebsergebnis legten zweistellig zu, während die Kapitalquote stabil blieb.
Offen bleiben unter anderem die Reaktionen von Analysten und Börse, der genaue Zeitplan der noch laufenden Übernahmegenehmigungen sowie eine Stellungnahme von Rasperia zur Klage. Die Zahlen stammen aus einer eigenen RBI-Aussendung und werden von mehreren Medien übereinstimmend wiedergegeben, eine unabhängige Prüfung der Kennzahlen liegt nicht vor.
Was passiert ist
Die Raiffeisen Bank International (RBI) hat für das erste Halbjahr 2026 einen deutlich höheren Gewinn gemeldet. Ohne Einbezug des Russland-Geschäfts stieg der Konzerngewinn um rund ein Viertel auf 708 Millionen Euro. Als Treiber nennt die Bank vor allem das Wachstum im Kundenkreditgeschäft: Das Kreditvolumen legte seit Jahresbeginn um 6 Prozent auf 107 Milliarden Euro zu. Die Zahlen stammen aus einer eigenen Aussendung der RBI zu ihrem Zwischenbericht und werden von mehreren österreichischen Medien mit übereinstimmenden Werten wiedergegeben.
Neuer Chef, neue Strategie
Seit 1. Juli 2026 führt Michael Höllerer die RBI. Er kündigte an, in den kommenden Monaten intensiv an einer neuen Konzernstrategie zu arbeiten, die einen klaren Fokus auf Wachstum und Profitabilität legen solle. Konkrete Details zu dieser Strategie liegen bislang nicht vor. Höllerer verantwortet zugleich zwei laufende Übernahmen: Die Integration der BBVA Garanti in Rumänien befindet sich im behördlichen Genehmigungsprozess, ein Abschluss wird für Anfang Oktober erwartet. Bei der Addiko Bank, die sich die RBI in einem monatelangen Bieterkampf gegen die slowenische NLB gesichert hat, ist die reguläre Annahmefrist für die Aktionäre ausgelaufen, derzeit läuft eine Nachfrist. Bis zum Abschluss braucht es noch Genehmigungen von Regulatoren sowie eine Fusionsfreigabe.
Russland-Geschäft und Rasperia-Klage
Das russische Geschäft der RBI wird laut Bank weiter zurückgefahren: Das dortige Kreditvolumen sank seit Jahresbeginn von 2,6 auf 2,5 Milliarden Euro, während die Einlagen mit 10,9 Milliarden Euro deutlich darüber liegen. Unterm Strich schrieb die Sparte im ersten Halbjahr 2026 aber wieder einen Gewinn von 550 Millionen Euro – nach einem Verlust von 437 Millionen Euro im Vergleichszeitraum 2025, als Strafzahlungen aus dem Rechtsstreit mit dem russischen Strabag-Kernaktionär Rasperia das Ergebnis belastet hatten. In diesem Rechtsstreit ist die RBI nun selbst aktiv geworden: Sie hat Rasperia in Österreich auf Schadenersatz in Höhe von 3,15 Milliarden Euro geklagt. Ziel sei es, damit jenen Schaden auszugleichen, der der russischen RBI-Tochter durch Klagen von Rasperia entstanden sei. Eine Stellungnahme von Rasperia zu der Klage liegt in den vorliegenden Quellen nicht vor.
Was die Zahlen sonst noch zeigen
Auch abseits der Schlagzahl entwickelten sich zentrale Kennziffern der RBI außerhalb Russlands positiv: Der Zinsüberschuss legte um 5,5 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro zu, der Provisionsüberschuss stieg um 10,3 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro, und das Betriebsergebnis wuchs ebenfalls um 10,3 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Die Risikokosten blieben mit 110 Millionen Euro nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahr, die Quote notleidender Kredite sank leicht von 1,7 auf 1,6 Prozent. Die harte Kernkapitalquote lag stabil bei 15,5 Prozent.
Was unklar bleibt
Wie Analystinnen und Analysten sowie die Börse die Zahlen und die angekündigte neue Strategie bewerten, ist aus den vorliegenden Quellen nicht ersichtlich. Offen ist auch, wie viele zusätzliche Addiko-Aktien in der laufenden Nachfrist angedient wurden und wann die Übernahme endgültig abgeschlossen sein wird, ebenso wie der genaue weitere Zeitplan der Genehmigungen für die BBVA-Garanti-Übernahme in Rumänien. Zur Schadenersatzklage gegen Rasperia fehlt bislang jede Reaktion der Gegenseite, und auch Details der neuen Konzernstrategie von CEO Höllerer sind noch nicht bekannt.
Einordnung
Die RBI reiht sich mit ihrem Halbjahresgewinn in eine Reihe positiver Ergebnisse österreichischer Großbanken ein: Wie „Neue Nachrichten“ bereits berichtet hat, steigerte auch die Erste Group ihren Halbjahresgewinn 2026 deutlich, dort vor allem dank eines Polen-Zukaufs. Bei der RBI kommt mit der Rasperia-Klage und dem Russland-Geschäft zugleich ein Thema zum Tragen, das die Bank seit dem Ukraine-Krieg besonders beschäftigt: der schrittweise Rückzug aus Russland bei gleichzeitig schwer planbarer rechtlicher und finanzieller Lage. Wie „Neue Nachrichten“ ebenfalls bereits berichtet hat, hatte sich die RBI zuvor im Bieterkampf um die Addiko Bank gegen die slowenische NLB durchgesetzt – die nun laufende Nachfrist und der geplante BBVA-Garanti-Abschluss sind die nächsten Schritte in dieser bereits dokumentierten Übernahme.


