Der Waldbrand im Föhrenwald bei St. Egyden am Steinfeld (Bezirk Neunkirchen) wurde am Mittwochabend unter Kontrolle gebracht, betroffen sind rund 100 Hektar. Die Polizei hat mittlerweile auch die Brandursache geklärt: Mit „sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ lösten Munitionsteile aus dem Zweiten Weltkrieg das Feuer aus, sagte Polizeisprecher Stefan Loidl – der darin enthaltene Phosphor dürfte sich in der Hitze selbst entzündet haben. Am Areal stand bis zum Ende des Ersten Weltkriegs die 1890 gegründete Pulverfabrik Föhrenwald, im Zweiten Weltkrieg wurde dort erneut Munition hergestellt. Im Boden rund um die früheren Munitionsbaracken liegen laut Polizei noch immer Blindgänger, zudem ist der Boden mit Phosphor kontaminiert – das habe bereits in früheren Jahren wiederholt zu Bränden und verletzten Feuerwehrleuten geführt.
Beim aktuellen Einsatz wurden sechs Feuerwehrleute verletzt, drei erlitten Verbrennungen, drei eine Rauchgasvergiftung. Die Zahl der Einsatzkräfte sank von rund 500 am ersten Tag über etwa 300 am Donnerstag auf rund 220 am Freitag, als weiterhin Glutnester mittels Drohne aufgespürt und abgelöscht wurden; der Einsatz der Löschhubschrauber konnte am Freitagvormittag eingestellt werden. Parallel brannten im Bezirk Gänserndorf rund 15 Hektar Vegetation, dieser Einsatz ist bereits abgeschlossen.
Die Ermittlungen zur Brandursache sind laut Polizei abgeschlossen, ein Ende des mehrtägigen Löscheinsatzes selbst war Stand Freitag jedoch weiterhin nicht absehbar. Offen bleiben zudem das endgültige Ausmaß der Waldschäden, mögliche Evakuierungen, die Kosten des Großeinsatzes sowie die Frage, ob wegen der bekannten Munitions- und Phosphorkontamination weitere Sicherungsmaßnahmen im Gebiet geplant sind.
Was passiert ist
Ein Waldbrand im Föhrenwald bei St. Egyden am Steinfeld im Bezirk Neunkirchen konnte am Mittwochabend unter Kontrolle gebracht werden. Betroffen ist ein Waldgebiet von rund 100 Hektar. Auch an den Folgetagen kämpften die Einsatzkräfte weiter gegen Glutnester und ein mögliches erneutes Auflodern der Flammen. Am Freitag, dem dritten Einsatztag, meldete die Polizei zudem, die Brandursache geklärt zu haben.
Ursache: Munitionsteile aus dem Zweiten Weltkrieg
Nach Angaben von Polizeisprecher Stefan Loidl waren mit „sehr großer Wahrscheinlichkeit“ Munitionsteile aus dem Zweiten Weltkrieg der Auslöser des Brandes. Der darin enthaltene Phosphor dürfte sich durch die Hitze selbst entzündet haben. Für die Polizei sind die Ermittlungen zur Brandursache damit abgeschlossen.
Hintergrund ist die Geschichte des Areals: Dort befand sich die frühere „Pulverfabrik Föhrenwald“, die 1890 von der Nobel Dynamit AG zur Granatenproduktion gegründet wurde und um 1914 bis zu 100 Arbeiter beschäftigte. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Betrieb eingestellt, im Zweiten Weltkrieg dürfte dort erneut Munition hergestellt worden sein; nach Kriegsende stand die Fabrik unter sowjetischer Kontrolle. Von der Anlage selbst steht heute nur noch das baufällige Verwaltungshaus. Im Bereich der früher dort situierten Munitionsbaracken liegen laut Polizei jedoch noch immer Blindgänger, der Boden ist mit Phosphor kontaminiert. Bei hohen Temperaturen kann sich dieser Phosphor selbst entzünden – das habe bereits in früheren Jahren wiederholt zu Bränden geführt, dabei sollen schon mehrmals Feuerwehrleute verletzt worden sein. Eine unabhängige Bestätigung dieser Gefährdungslage etwa durch Bundesheer oder Innenministerium liegt bislang nicht vor.
Die Lage vor Ort
Die Zahl der Einsatzkräfte ging im Lauf der Tage deutlich zurück: von rund 500 am ersten Einsatztag über etwa 300 am Donnerstag auf rund 220 Helferinnen und Helfer am Freitag, die vor allem mit Nachlöscharbeiten beschäftigt waren. Glutnester wurden dabei mittels Drohne aufgespürt und gezielt abgelöscht. Nach einem Kräftetausch in der Früh wurden die örtlichen Feuerwehren am Freitag von zwei Katastrophenhilfsdienst-Zügen sowie dem Sonderdienst Waldbrand unterstützt. Der Betrieb der Löschhubschrauber, die in den Tagen zuvor im Einsatz waren, konnte am Freitag um 8.00 Uhr eingestellt werden. Bezirksfeuerwehrkommandant Mario Lukas dankte den Pilotinnen und Piloten sowie dem Sonderdienst Flugdienst für die Arbeit der vergangenen Tage. Ein Ende des gesamten Einsatzes war laut Berichtsstand vom Freitag weiterhin nicht absehbar. In den Tagen zuvor waren zudem Rotes Kreuz und Samariterbund im Einsatz, die Löschteiche im Gebiet waren zeitweise leer, weshalb ein Pendelverkehr mit Tanklöschfahrzeugen eingerichtet worden war.
Sechs Verletzte, zweiter Brand in Gänserndorf
Beim Löscheinsatz wurden laut dem Sprecher des Landesfeuerwehrkommandos, Klaus Stebal, sechs Feuerwehrleute verletzt: Drei erlitten Verbrennungen, drei weitere eine Rauchgasvergiftung. Parallel zum Föhrenwald-Brand bekämpften Einsatzkräfte am Mittwoch auch einen Vegetationsbrand im Bezirk Gänserndorf, im Raum Neusiedl an der Zaya, Palterndorf-Dobermannsdorf und Hausbrunn. Dort waren laut Bezirkskommando rund 15 Hektar betroffen, im Einsatz standen rund 20 Feuerwehren mit rund 40 Fahrzeugen und 180 Mitgliedern sowie eine Waldbranddienstgruppe. Das unwegsame Gelände erschwerte die Löscharbeiten bei extremer Hitze zusätzlich. Nach umfangreichen Nachlöscharbeiten und einer Kontrolle des gesamten Areals konnte dieser Einsatz beendet werden.
Was unklar bleibt
Ein verlässlicher Zeitpunkt für die vollständige Löschung des Föhrenwald-Brands lag Stand Freitag weiterhin nicht vor, ebenso offen ist das endgültige Ausmaß der dauerhaften Schäden am Waldbestand. Unklar ist außerdem, ob umliegende Ortschaften oder Anrainer von Sperren oder Evakuierungen betroffen waren und welche Kosten der mehrtägige Großeinsatz insgesamt verursacht. Auch zur konkreten Verteilung der im Boden verbliebenen Blindgänger sowie dazu, ob wegen der bekannten Munitions- und Phosphorkontamination künftig zusätzliche Räum- oder Sicherungsmaßnahmen im Gebiet geplant sind, liegen keine Angaben vor.
Einordnung
Der Brand fiel in eine Phase intensiver Hitze in Österreich: Am Tag des Ausbruchs wurden laut Berichten rund 27 neue Hitzerekorde verzeichnet, in Bad Deutsch-Altenburg soll mit 41,2 Grad ein neuer Allzeit-Hitzerekord aufgestellt worden sein. Anhaltende Trockenheit und hohe Temperaturen begünstigten nach Einschätzung der Einsatzleitung nicht nur die rasche Ausbreitung des Feuers, sondern erklären laut Polizei auch den nun als Ursache ermittelten Mechanismus: die Selbstentzündung von Phosphor aus historischen Munitionsresten im Boden. Dass dieses Risiko im Föhrenwald bereits mehrfach zu Bränden geführt haben soll, deutet darauf hin, dass die Gefährdung durch die Altlast auch künftig bestehen bleibt, solange keine weitergehende Sanierung erfolgt.

