Die jemenitische Huthi-Miliz kontrolliert nach übereinstimmenden Medienberichten inzwischen die gesamte Meerenge Bab al-Mandab und hat am 19. September zwei weitere Angriffe für sich reklamiert: gegen „sensible Ziele“ in Riad und gegen eine Aramco-Anlage in der Hafenstadt Yanbu am Roten Meer. In Riad beobachtete ein AFP-Journalist vor Ort, wie Feuerwehrleute einen brennenden Treibstofftank mit Aramco-Logo nahe dem internationalen Flughafen zu löschen versuchten; die Flugverkehrsplattform Flightradar24 bestätigte unabhängig Flugstreichungen und Verspätungen. Laut internationalen Medienberichten bestätigte die saudi-geführte Militärkoalition, dass eine ballistische Rakete auf Riad abgefeuert wurde – eine eigenständige offizielle saudische Regierungsstellungnahme zu Ursache und Schäden fehlt aber weiterhin. Die Huthi behaupten, die Angriffe seien eine Reaktion auf saudische Versuche gegen Sanaa und Saudi-Arabien habe insgesamt 700 Angriffe im Jemen geflogen – unabhängig verifizierbar ist das nicht.
Der UNO-Sicherheitsrat hatte die Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien bereits zuvor in einer gemeinsamen Erklärung aller 15 Mitglieder verurteilt, Solidarität mit dem Königreich erklärt und dessen Recht auf Selbstverteidigung bestätigt. Zugleich verurteilte der Rat auch die militärische Eskalation im Jemen selbst, mit Berichten über Tote, Verletzte und mehr als 125.000 Vertriebene – bislang nur einzelquellig belegt. Nach Angaben des Schifffahrtsmonitors Kpler haben seit dem 11. September nur fünf Schiffe mit saudischer Ladung die Meerenge durchquert, nur rund ein Drittel der üblichen Zahl. Erstmals seit der Eskalation waren zudem Warnungen für Mekka ausgesprochen worden, und ein italienischer Eurofighter wurde bei einem Angriff auf einen saudischen Luftwaffenstützpunkt beschädigt, ohne dass Personen zu Schaden kamen. Ein Huthi-Sprecher hatte zuvor erklärt, die Einsätze seien defensiv und die Schifffahrt bleibe sicher – eine Einschätzung, die im Spannungsverhältnis zur berichteten Offensive und den jüngsten Angriffen steht.
Der Ölpreis hatte bereits Anfang September mit einem Vier-Monats-Hoch reagiert: Brent stieg laut ORF um 3,5 Prozent auf über 100 Dollar je Barrel, WTI erstmals seit Mitte Mai wieder über die 100-Dollar-Marke. Als weitere Preistreiber gelten eine Drohung von US-Präsident Trump gegen eine iranische Atomanlage und eine erneute Abwärtskorrektur der OPEC-Nachfrageprognose. In Österreich kosteten Diesel und Benzin zuletzt im Schnitt 2,168 bzw. 1,918 Euro pro Liter. Offen bleibt vor allem, ob Saudi-Arabien die Vorfälle vom 19. September offiziell bestätigt und wie die internationale Gemeinschaft auf die jüngste Eskalation reagiert.
Huthi-Miliz kontrolliert nun die gesamte Meerenge Bab al-Mandab
Die Lage an einer der wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt hat sich in den Tagen vor dem 19. September weiter zugespitzt. Nach der Einnahme der Insel Mayyun (Perim) und des Küstenorts Dhubab Anfang September hat die Huthi-Miliz laut ORF in einer raschen Offensive auch die verbliebenen Abschnitte der jemenitischen Westküste eingenommen und kontrolliert damit vollständig den Zugang zur Meerenge Bab al-Mandab, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean verbindet. Die Miliz richtet den Blick Berichten zufolge nun auf eine ölreiche Region im Landesinneren; welche Region konkret gemeint ist, bleibt in den gesichteten Quellen offen. Eine offizielle Bestätigung durch Saudi-Arabien oder die international anerkannte jemenitische Regierung liegt weiterhin nicht vor.
UNO-Sicherheitsrat verurteilt Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien
Der UNO-Sicherheitsrat hat die anhaltenden Angriffe der Huthi-Miliz auf Saudi-Arabien in einer gemeinsamen Erklärung aller 15 Mitgliedstaaten scharf verurteilt. Die Ratsmitglieder erklärten ihre Solidarität mit dem Königreich, bestätigten dessen Recht auf Selbstverteidigung und forderten die vom Iran unterstützten Rebellen auf, die militärische Eskalation unverzüglich einzustellen. Zugleich verurteilte der Sicherheitsrat die Angriffe auf die Handelsschifffahrt im Roten Meer und in der Meerenge und rief zu „praktischer Zusammenarbeit“ auf, auch mit der jemenitischen Regierung, um den Zugang der Huthis zu Waffen und militärischem Gerät zu unterbinden. Ebenso verurteilten die Staaten „auf das Schärfste“ die militärische Eskalation im Jemen selbst: Berichtet wird von Toten und Verletzten sowie von mehr als 125.000 Vertriebenen – eine unabhängige Bestätigung dieser Zahl liegt bislang nicht vor.
19. September: Brennender Aramco-Tank und Flugstörungen in Riad
Erstmals seit Beginn der neuen Eskalation hatten die saudischen Behörden für die Hauptstadt Riad bereits am Vortag Luftalarm ausgerufen, mit dem Hinweis auf eine „feindliche Luftbedrohung“; später wurde wieder Entwarnung gegeben. Am Samstag, den 19. September, waren in Riad erneut Explosionen zu hören, und ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachtete vor Ort, wie Feuerwehrleute versuchten, einen brennenden Treibstofftank mit dem Logo des saudischen Ölkonzerns Aramco nahe dem internationalen Flughafen King Khalid zu löschen. Die schwarze Rauchsäule war weithin sichtbar. Die Flugverkehrs-Trackingplattform Flightradar24 meldete unabhängig davon größere Betriebsstörungen am Flughafen mit Flugstreichungen und Verspätungen. Eine offizielle saudische Regierungsstellungnahme zu Ursache und Schadensausmaß liegt weiterhin nicht vor; laut internationalen Medienberichten bestätigte lediglich die saudi-geführte Militärkoalition gegen die Huthis, dass eine ballistische Rakete auf Riad abgefeuert worden sei. Bereits am Tag zuvor hatten saudische Behörden laut Der Standard erstmals seit der Eskalation auch Warnungen für die Stadt Mekka ausgesprochen; über den bereits zuvor gemeldeten, von Saudi-Arabien behaupteten Drohnenangriff auf Mekka wurde in einem eigenen früheren Bericht berichtet.
Huthi bekennen sich zu Angriffen auf Riad und Aramco-Anlage in Yanbu
Die Huthi-Miliz reklamierte die Angriffe vom 19. September über ihren Militärsprecher Jahja Saree für sich. Die Gruppe habe „zwei besondere Militäreinsätze“ mit einer großen Zahl ballistischer Raketen, Marschflugkörper und Drohnen durchgeführt: Der erste habe sich gegen „sensible Ziele“ in Riad gerichtet, der zweite gegen eine Anlage des Ölkonzerns Aramco in der Hafenstadt Yanbu am Roten Meer – rund 900 Kilometer von Riad entfernt und damit ein von den Ereignissen am Flughafen unabhängiger zweiter Schauplatz. Die Miliz erklärte, die Angriffe seien eine Reaktion auf saudische Versuche, die jemenitische Hauptstadt Sanaa anzugreifen, und behauptete, Saudi-Arabien habe insgesamt bereits 700 Angriffe im Jemen geflogen. Diese Angaben stammen ausschließlich von der Konfliktpartei selbst und sind unabhängig nicht überprüfbar; sie stehen zudem im Spannungsverhältnis zu einer früheren Zusicherung eines Huthi-Sprechers, die eigenen Einsätze seien rein defensiv und die Schifffahrt bleibe unangetastet.
Ölpreis reagiert erneut: Brent zeitweise über 100 Dollar
Der Brent-Preis war Anfang September auf ein Vier-Monats-Hoch von 108,68 US-Dollar je Barrel gestiegen und legte laut ORF im Zuge der damaligen Meldungen um weitere 3,5 Prozent auf über 100 Dollar je Barrel zu. Diese konkrete Prozentangabe liegt bislang nur aus einer Quelle vor, die Richtung – ein anhaltend hoher Ölpreis – deckt sich aber mit dem breit gemeldeten Preisniveau. Auch die US-Sorte WTI hatte zuvor bei 103,45 Dollar gelegen und damit erstmals seit Mitte Mai wieder über der psychologisch wichtigen 100-Dollar-Marke. Aktuellere Preisdaten im unmittelbaren Zusammenhang mit den Angriffen vom 19. September auf Riad und Yanbu liegen in den gesichteten Quellen nicht vor.
Frühere Zusicherung: Schifffahrt bleibe sicher
Ein Huthi-Sprecher hatte bereits im Zuge der Einnahme von Mayyun erklärt, Schifffahrt und internationaler Handel im Roten Meer und in der Meerenge Bab al-Mandab seien weiterhin sicher. Der Jemen stelle keine Bedrohung für den Schiffsverkehr dar, die Einsätze der Miliz seien defensiv und beschränkten sich auf zuvor angekündigte Ziele. Diese Selbstdarstellung lässt sich unabhängig nicht prüfen und steht inzwischen in einem noch deutlicheren Spannungsverhältnis zur vollständigen Kontrolle der Westküste, zu den Angriffen auf Riad und Yanbu sowie zur Verurteilung durch den UNO-Sicherheitsrat.
Weitere Eskalation: Angriffe auf saudische Ziele und ein beschädigter Eurofighter
Auch abseits von Riad und Yanbu setzten sich die Kämpfe fort. Laut einer früheren ORF-Meldung sollen die saudi-arabischen Behörden in der südwestlichen Stadt Chamis Muschait wegen anhaltender Huthi-Angriffe viermal innerhalb von 24 Stunden Luftalarm ausgelöst haben; Pakistan soll eine saudi-arabische Aufforderung an den Iran übermittelt haben, mäßigend auf die Huthis einzuwirken. Beide Angaben stammen aus einer einzelnen Quelle und sind nicht unabhängig bestätigt. Bereits zuvor wurde bei einem Angriff auf einen saudischen Luftwaffenstützpunkt, an dem auch italienisches Militärpersonal stationiert ist, laut mehreren internationalen Medienberichten ein italienischer Eurofighter beschädigt; Personenschäden wurden dabei nicht gemeldet.
Zentrale Route für Rohöl gerät ins Stocken
Die Meerenge Bab al-Mandab liegt zwischen dem Jemen auf der Arabischen Halbinsel und Dschibuti sowie Eritrea an der afrikanischen Küste und gilt als eine Hauptroute für Rohöl und Treibstoff aus der Golfregion in Richtung Mittelmeer und Asien. Für Saudi-Arabien ist dieser Seeweg durch das Rote Meer besonders wichtig, da die Straße von Hormus wegen des Konflikts zwischen den USA und dem Iran weitgehend blockiert ist. Nach Angaben des Schifffahrtsmonitors Kpler ist der Effekt inzwischen messbar: Seit dem 11. September durchquerten nur fünf Schiffe mit saudi-arabischer Ladung die Meerenge – nur rund ein Drittel der sonst üblichen Zahl. Eine unabhängige Zweitquelle mit denselben Zahlen liegt bislang nicht vor, der grundsätzliche Trend erscheint angesichts der Sicherheitslage aber plausibel.
Vorgeschichte: Von Mokka zur vollständigen Kontrolle der Westküste
Die aktuelle Entwicklung ist die jüngste Etappe einer seit Monaten andauernden Zuspitzung rund um Huthi-Angriffe im Jemen und den parallel laufenden Iran-Krieg. Bereits zuvor hatten Berichte von schweren Kämpfen zwischen Regierungstruppen und der Huthi-Miliz mit mehreren hundert Toten seit Ende der letzten Waffenruhe berichtet, in deren Zuge die Miliz versuchte, den Hafen Mokka von der Versorgung abzuschneiden. Wie in einem früheren Bericht beschrieben, hatten die Huthis darauf die Kontrolle über Mokka sowie die Insel Mayyun und den Ort Dhubab übernommen – Angaben, die sich ebenfalls auf Militärkreise und Augenzeugen stützten, nicht auf eine offizielle Bestätigung. Die nun gemeldete Einnahme der gesamten Westküste erweitert diese Kontrolle. Die Huthi überrannten den Nordjemen samt Hauptstadt Sanaa bereits 2014 und kontrollieren dort seither große Gebiete; Saudi-Arabien bekämpft die Miliz seit mehr als zehn Jahren an der Spitze eines Militärbündnisses. Wie in einem eigenen früheren Bericht dargestellt, hatte die Huthi-Miliz zudem im Juli erstmals Angriffe von irakischem Staatsgebiet aus geführt, worauf die USA und Saudi-Arabien gemeinsam Luftschläge im Irak flogen – ein Hinweis auf die zunehmende regionale Verflechtung des Konflikts.
Trump-Drohung gegen Iran und weitere Preistreiber
Zusätzlich zur Lage im Jemen bleibt eine Drohung von US-Präsident Donald Trump ein Faktor am Ölmarkt: Er brachte einen möglichen Angriff auf die iranische Anlage am sogenannten Pickaxe Mountain nahe der bereits beschädigten Urananreicherungsanlage Natanz ins Spiel. Auch sollen die Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus zugenommen haben, ohne dass die gesichteten Quellen dazu konkrete Zahlen nennen.
Auswirkungen an der Zapfsäule in Österreich
In Österreich schlug sich die Entwicklung an den Rohölmärkten laut einer Anfang September durchgeführten Erhebung bereits in den Spritpreisen nieder: Diesel kostete demnach im Schnitt 2,168 Euro pro Liter, Benzin 1,918 Euro. Da andere, zeitnahe Preiserhebungen leicht abweichende Werte ausweisen, lässt sich die genaue Vergleichbarkeit dieser Zahl nicht abschließend einordnen. Aktuellere Preisdaten im Zusammenhang mit der jüngsten Eskalation liegen nicht vor.
OPEC senkt Nachfrageprognose weiter
Parallel zur Preisentwicklung hatte die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) ihre Prognose für das Wachstum der weltweiten Ölnachfrage im Jahr 2026 nach mehreren vorangegangenen Abwärtskorrekturen erneut gesenkt. Die genauen Mengenangaben unterscheiden sich zwischen den einzelnen monatlichen OPEC-Berichten, der Trend einer wiederholten Abwärtskorrektur wird jedoch von mehreren Quellen unabhängig bestätigt.

